Brave macht in diesem Jahr große Fortschritte. Nach dem Start einer datenschutzorientierten Werbeplattform, der Integration einer Twitter-Spenden-Funktion und dem Erreichen von Meilensteinen wie sieben Millionen aktive Nutzer im Monat und 60.000 Publishern wurde der kryptounterstützte Browser kürzlich in USA Today und Wired Magazine vorgestellt.

Brave hat viele weitere Updates und Entwicklungen in der Pipeline. Brave’s Chief Scientist, Ben Livshits spricht über aktuelle und kommende Entwicklungen.


Entwicklung des Brave Browsers

Mit zunehmender öffentlicher Aufmerksamkeit für den Datenschutz scheint der Brave-Browser genau im richtigen Moment zu erscheinen. Aber obwohl die Privatsphäre ein wesentlicher Bestandteil von Braves Angebot ist, ist sie bei weitem nicht alles, woran im Projekt gearbeitet wird.

Sowohl die Browsergeschwindigkeit als auch der Stromverbrauch sind wichtige Bereiche der Forschung und Entwicklung. Der durchschnittliche Benutzer wird überrascht sein zu erfahren, dass mobiles Webbrowsing besonders viel Strom verbraucht. Ein Browser, der automatisch Werbung und Tracker blockiert, kann helfen, die Batterie Ihres Telefons zu schonen.

Obwohl die Werbung Teil des Geschwindigkeitsproblems ist, ist es nicht der einzige einschränkende Faktor, erklärte Livshits. Wenn Sie einen Artikel online lesen, müssen Sie warten, bis Seitenelemente wie Menüleisten, Hintergrund-Skripte und Cookies von Drittanbietern geladen wurden. Viele Browser bieten jetzt einen „Reader“-Modus an, um die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern, aber dazu muss die Seite in der Regel zuerst gerendert werden.

Brave entwickelt ein Tool namens SpeedReader,. Dies tritt in Aktion, bevor die Seite rendert und liefert nur die für den Leser relevanten Inhalte. Das beschleunigt das Surfen erheblich, eine Verbesserung, die Livshits als „eine Art gedoptes Lesen“ bezeichnet. Er fährt fort:

„Es bedeutet, dass die Unübersichtlichkeit verschwunden ist und Sie eine schöne, saubere und gut präsentierte Seite haben. Es ist ähnlich wie bei Anwendungen wie Instapaper oder Pocket, aber stellen Sie sich vor, dass dies die Standardeinstellung ist. Wir optimieren für das, was der Benutzer tatsächlich will, was in diesem Fall im wesentlichen aus Text besteht.

– Brave Chef-Wissenschaftler Ben Livshits“


Ansprechen einer breiteren Benutzerbasis

Die Entwicklung eines Browsers, der für Endbenutzer attraktiv ist, sollte Brave in Zukunft eine stärkere Akzeptanz bringen. Der Brave Entwickler ging in unserer Diskussion weiter auf dieses Thema ein und erklärte, wie neue Funktionen wie z.B. die Brave Twitter Spenden-Funktionalität es ermöglichen, dass sich die Nutzer gegenseitig für gute Inhalte belohnen.

„Einige Leute möchten den Leuten auf Twitter etwas spenden, während andere glücklich sind, sich überhaupt nicht mit Krypto zu beschäftigen, und wir sollten das respektieren“, erklärte Livshits. „Die Welt der Online-Werbung ist ein komplexes Ökosystem etablierter Akteure, und wir müssen ihre Motivation herausfinden. Wir sind zuversichtlich und optimistisch, dass wir einen Weg gefunden haben, um diese verschiedenen Bestandteile des Ökosystems anzusprechen.“


Maschinelles Lernen und die Herausforderung des Datenschutzes

Obwohl die meisten Menschen Brave nicht als KI-Unternehmen betrachten, ist es in mehreren Bereichen stark mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Tatsächlich sagt Livshits: „Ich kann kaum ein Projekt zu finden, bei dem wir nicht ein wenig KI benutzen.“

Eine dieser Initiativen ist Percival, das durch Deep-Learning Werbung im Browser erkennt und blockiert. Ein weiteres Projekt, Adgraph, nutzt das maschinelle Lernen, um eine grafische Darstellung von Werbe- und Tracking-Ressourcen im Web aufzubauen.

Lernalgorithmen erfordern jedoch Daten, die für ein Unternehmen mit Fokus auf den Datenschutz eine Zwickmühle darstellen. Außerdem ist Brave noch nicht populär genug, um große Datenmengen von den Benutzern zu sammeln, wie sie als Input von KI-Algorithmen benötigt werden. Livshits sieht keinen einfachen Weg, dieses Problem zu lösen.

„Wie können wir hochwertige Modelle so bauen, dass die Privatsphäre gewahrt bleibt?“, fragte er. „Es ist zwar möglich, dass sich Brave-Benutzer für die Teilnahme entscheiden, aber wir müssen trotzdem vorsichtig sein. Weil der Benutzer nicht immer im vorhinein alle Konsequenzen seiner Entscheidung abschätzen kann.“


Der große Nachwuchsmangel

Neben seiner Arbeit für Brave hält Livshits seine Positionen als Research Fellow am University College London Centre for Blockchain Technologies und als Associate Professor am Imperial College London. Während der Nachwuchsmangel in der Krypto-Welt gut dokumentiert ist, sagt Livshits, dass Brave eine mehr Entwickler-Talente benötigt und unterstreicht die Bedeutung akademischer Verbindungen.

„Für uns ist es übergreifend. Es geht nicht nur um Krypto, es geht um eine ganze Reihe von Themen. Browserleistung, maschinelles Lernen, Sicherheit, Datenschutz…. die zugrunde liegende Codebasis ist so komplex, dass es eine Vielzahl von Problemen gibt, welche die Aufmerksamkeit vieler talentierter Personen mit unterschiedlichem Hintergrund erfordern, die zusammenarbeiten. Wir sind eng mit verschiedenen akademischen Gruppen verbunden, so dass wir erstklassige Doktoranden einstellen können, und ich denke, das ist für ein Unternehmen wie das unsere sehr hilfreich.

– Brave Chef-wissenschaftler, Ben Livshits.“

Brave hat viele Einzel-Komponenten. So ist es nicht verwunderlich, dass das Projekt wo immer möglich Talente aus der Wissenschaft anspricht. Die Entwicklung eines Open-Source-Browsers mit Fokus auf die Privatsphäre, der mit solchen Projekten wie Chrome oder Firefox konkurrieren kann, ist eine enorme Herausforderung.

Brave hat noch einen langen Weg vor sich, um mit dem 70%igen Marktanteil von Google mithalten zu können. Trotzdem verfolgt das Projekt einen umfassenden Ansatz bei der Entwicklung eines Produkts mit zahlreichen Funktionen, die verschiedene Nutzer ansprechen.

Wenn Sie daran interessiert sind, neue Funktionen von Brave auszuprobieren, bevor sie in die stabile Version integriert werden. Dann können Sie die Test- und Entwicklungsversion von Brave, die sogenannte Nightly-Release, herunterladen.


Quelle: Titelbild (FlyerDiaries.com) Lizenz